Stoff-&Farbkunde
Welche Stoffarten gab es zur „Wikingerzeit“?
Grob gesagt, gab es jede Naturfaser, die wir auch heute noch kennen. Allerdings je nach Region / Stand / Zeit in unterschiedlicher Häufigkeit. Dies würde hier jetzt aber zu weit führen, darum bleibt es eher allgemein gehalten. Für den „generischen Wikinger“ empfehle ich daher auf Wolle und Leinen zurückzugreifen. Nesselstoff (Nicht aus Baumwolle) wäre natürlich auch denkbar, aber der ist leider recht schwer zu bekommen und oft auch deutlich teurer. Achtet beim Kauf darauf, dass die Stoffe zu 100% aus den untenstehenden Materialien sind. Dabei muss es nicht 100% Wolle sein. Auch ein Stoff aus 80% Wolle und 20% Seide wäre denkbar. 15% Polyester Anteil werdet ihr dem Stoff nicht ansehen, aber ihr werdet es merken. Zum einen kann Polyester den Schweiß nicht so gut abtransportieren (Geruchsentwicklung), zum anderen kann schmelzendes Polyester sehr unschöne Brandverletzungen geben, wenn ihr mit diesem Stoff zu nah an ein Lagerfeuer kommt, z. B. bei Funkenflug.
Gefunden hat man folgende Fasern:
- Wolle (tierische Faser vom Schaf)
- Leinen (pflanzliche Faser aus Flachs)
- Nessel (pflanzliche Faser aus Brennnessel)
- Hanf (pflanzliche Faser aus der Hanfpflanze)
- Seide (tierische Faser von der Seidenraupe)
- Baumwolle (ja, auch Baumwolle, aber nur sehr selten und meistens in sehr kleinen Mengen, die evtl. Besätze, z. B. auf einem Stirnband oder so waren) (pflanzliche Faser aus der Baumwollpflanze)
Eigenschaften der Fasern:
Tierische Fasern wie Wolle und Seide lassen sich sehr gut mit Pflanzen färben. Sie nehmen die Farbe gut an und halten diese auch. Pflanzliche Fasern lassen sich zum Teil auch mit Pflanzen färben, z. B. Leinen mit Walnuss, allerdings ist das Farbergebnis viel schwächer und verliert durch Sonne und Waschen sehr schnell an Intensität. Eine Übersicht, welche Farben auf welchen Fasern denkbar wären, findet ihr im Farbguide. Bei der Wahl der Stoffe und Farben solltet ihr genau hinschauen und möglichst Stoffe auswählen, die wie pflanzengefärbt aussehen (selbstverständlich könnt ihr auch direkt pflanzengefärbte Stoffe wählen). Dabei hat sich herausgestellt, dass Rot leider eine recht undankbare Färbung bei chemisch gefärbten Stoffen ist. Gerade dunkle und kräftige Rottöne (z. B. Kirschrot oder Weinrot, etc.) sehen sofort chemisch gefärbt aus und stechen dadurch ins Auge. Was auf Besätzen oft noch vertretbar ist, ist auf großen Flächen (Tunika, Kaftan, Kleid, etc.) oft schwierig. Wenn es unbedingt rötliche Töne sein sollen, ihr aber nicht auf pflanzengefärbte Stoffe zurück greifen wollt, dann versucht einen Stoff zu finden, der meliert ist, also aus mehreren (Rot-)Tönen zusammengesetzt ist, oder greift auf eher orange oder rostrote/rostbraune Stoffe zurück. Dieser Tipp bezieht sich auf Wollstoffe, da auf Leinen ein kräftiger Rotton überhaupt nicht möglich war. Wolle ist ein recht vielseitiges Material. Sie hält sowohl in Winter warm und kann auch im Sommer kühlen. Sie kann viel Wasser aufnehmen, ehe sie sich auf der Haut nass anfühlt. Daher ist ein Umhang aus Wolle ein guter Nässeschutz. Wolle kann sich zum Teil sogar selbst reinigen. Wenn etwas Schlamm auf die Tunika gekommen ist, muss sie in den meisten Fällen nicht gleich gewaschen werden. Trocknen lassen und dann ausbürsten reicht oft. Auch bewirkt schon ein Auslüften über Nacht, am besten draußen auf der Wäscheleine, kleine Wunder gegen Gerüche. Wolle ist sehr gut geeignet für jegliche Art von Oberbekleidung. Leinen ist ein recht kühles Material, welches sich besonders gut als Unterkleidung eignet. Es fühlt sich im Vergleich zum Baumwolle wirklich kühl an, wenn man den Stoff anfasst. Es fühlt sich angenehm auf der Haut an und lässt sich auch bei hohen Temperaturen waschen. Allerdings zieht Leinen Feuchtigkeit an. Was gut ist, wenn man Schweiß aufsaugen will. Schlecht, wenn man sich vor Regen schützen will. Daher sollte man sich auch überlegen, ob man eine Gugel, z. B. mit Leinen füttern möchte. Es wird die Nässe aus der Wolle saugen, die man dann auf der Haut hat. Seide ist ein sehr weiches Material und sehr kostbar. Daher sollte sie sparsam verwendet werden und nur für höhergestellte Charakterkonzepte. Viele Seiden sind sehr empfindlich und kommen nicht gerne mit Wasser in Kontakt. Wenn ihr Textilien aus oder mit Seide habt, dann sollten sie vorsichtshalber nur mit Handwäsche (wenn überhaupt) gewaschen werden.
Welche Bindungen hat man gefunden?
Grob gesagt, ist fast jede Webart/Bindung denkbar. Allerdings je nach Region / Stand / Zeit in unterschiedlicher Häufigkeit. Dies würde hier jetzt aber zu weit führen, darum bleibt es eher allgemein gehalten. Man konnte mit einem Webstuhl/-rahmen viele verschiedene Muster erzeugen. Was nicht ging sind Textilien, die im Strickverfahren oder ähnliches hergestellt wurden. Daher sollte man beim Stoffkauf besonders darauf achten, dass das Tuch gewebt ist. Besondere Vorsicht ist hier bei Loden geboten. Viele Shops bieten Loden als „historischen Stoff“ an. Doch Loden ist nicht gleich Loden. Auch wenn er zu 100% aus Wolle besteht, gibt es viele Stoffe, die unter die so genannten Strickloden oder Strichloden fallen. Diese Textilien konnte man damals nicht herstellen. Sie sind nur mit modernen Verfahren (z. B. Stricken) herstellbar. Oft werden sie auch als Mantelloden, Kochwolle oder sogar als Walkloden angeboten. Auch wenn die Preise günstig sind für reine Wollstoffe, tut euch selbst einen Gefallen und lasst die Finger davon. Optisch sind beide kaum von einander zu unterschieden. Der Strickloden ist in der Regel sehr dehnbar. Gewebter Loden dagegen ist eher fest. Auch lassen sich bei gewebtem Loden an den Schnittkanten leicht Fäden herausziehen. Bei Strickloden fällt das sehr schwer. Er hat außerdem oft eine Oberfläche die ein bisschen an „Pillen“ oder Handtücher erinnert. Man sieht oft kleine „Knübbelchen/Knötchen/Schlaufen“ auf der Oberfläche. Oft fällt dies erst im Vergleich mit einem gewebten Loden auf! Wenn ihr die Wahl habt, dann greift lieber zu diesen Bindungen oder fragt vor dem Kauf ganz genau nach.
Welche Farben gab es? Für jede Faser gilt: ungefärbt und umgebleicht ist die günstigste Variante, die für jeden Stand verfügbar war. Der Mythos vom düsteren, grauen Mittelalter trifft auf die Wikis im Allgemeinen jedoch keineswegs zu. Bunte Farben waren weit häufiger als man denkt und die mögliche Farbpalette ist beeindruckend wenn man bedenkt, dass nur natürliche Farbstoffe verfügbar waren. Die brillantesten Farben ließen sich dabei auf Wolle und Seide erzielen, Leinen ist eher schwer zu färben und es lassen sich nur blasse Farbtöne erzielen
Quelle https://das-grosse-heer.de/lexicon/entry/111-stoffkunde-und-stoffguide/